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B'nai B'rith Europa Magazine, März 2005

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"DER VERGESSENE EXODUS - DIE JUDEN DER ARABISCHEN LÄNDER"

Ich schrieb dieses Buch, damit meine nicht jüdischen Mitbürger und meine arabischen Cousins unsere Geschichte kennenlernen, die teilweise auch ihre ist.
Ich habe diese Ereignisse zum Gedenken an unsere Vorfahren zu Papier gebracht, die völlig von vorne beginnen mussten.
Ich schrieb diese Zeilen, damit die Toten, die wir dort gegen unseren Willen zurücklassen mussten und für die niemand mehr dort ist, um einen kleinen Stein auf ihr Grab zu legen als Zeichen dafür, dass man an sie denkt.
Meine Aufzeichnungen sind nicht verbittert und auch nicht von Unmut geprägt. Ich muss mit niemandem abrechnen und ich habe dieses Buch geschrieben, damit meine Kinder und die Kinder der 940800 aus ihrem Heim vertriebenen Frauen und Männer jeden Alters nicht vergessen, dass sie vertrieben wurden, weil sie Juden waren.

Vielleicht haben wir etwas zu lange gewartet, bevor wir über unsere Shoah sprachen; unsere Tragödie war wesentlich weniger schlimm als diejenige, die unsere 6 Millionen Brüder erleben mussten. Wir verloren unser Heim, die Arbeit, unsere Freunde, unser Vermögen, unser Land. Manchmal - oft ! - verloren sich unsere Familien aus den Augen. Aber was war das schon im Vergleich zum Drama des Holocaust mit all den vernichteten Leben.
Wir meinten, kein Recht zu haben, uns zu beklagen, und so beklagten wir uns nicht ... Wie die Überlebenden der Nazihölle mussten wir uns in einer Situation zurechtfinden, die auf andere Weise schrecklich war: sie hatten niemanden mehr; wir hatten unsere Eltern und Kinder. Wir hatten ein Ziel: den Neubeginn. Es wäre unanständig gewesen, zu jammern.

Fast fünfzig Jahre sind nun vergangen. Die Zeit ist gekommen, unsere Erinnerungen zu sammeln, unser Gedächtnis sprechen zu lassen, unser Herz zu öffnen und laut zu verkünden: Auch wir sind überlebende des Konflikts zwischen den arabischen Staaten und Israel. Und die Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen sieht eine "gerechte Lösung für die Probleme der Flüchtlinge" vor, und zwar aller Flüchtlinge. Wir sind die jüdischen Flüchtlinge der arabisch-islamischen Welt und die Welt hat uns vergessen.

In den islamischen Ländern hatten die Juden im wesentlichen bis 1947 ein friedliches Leben. Diese Euphorie schlug jedoch um, als Israel gegründet und die arabischen Staaten unabhängig wurden. Es gab zahlreiche Folterungen und Morde in Algerien, Marokko, im Yemen, Irak, in Aden, Libyen, Syrien, Tunesien oder Ägypten. In all diesen Ländern wurden die Juden verfolgt.

Wir waren Ägypter, wie wir Syrer in Syrien, Iraker im Irak waren ... Zuerst waren wir ägyptische Juden in Ägypten und den anderen arabischen Ländern, bevor wir für immer die Juden Ägyptens, Syriens oder des Irak wurden ... Mit einem Federstrich wurde uns eine neue Identität zugeteilt.
Unsere Generation und die unserer Eltern haben lange damit gewartet, über diese unverheilte Wunde zu sprechen, an der wir auch heute noch leiden. Wieso hätten wir sonst diese nostalgischen Freundschaftstreffen der "Ehemaligen von damals" organisieren müssen, um von unserem "früheren Leben" mit so großer Melancholie und unterdrücktem Bedauern zu sprechen?

Sicher erzählen viele befragte Personen manchmal begeistert, meistens jedoch wehmütig von ihrem Herkunftsland. Sie rühmen die hervorragenden Beziehungen zwischen den religiösen Gemeinden, wobei sie vergessen, dass dieser Kreis aus Freunden, Bekannten und Nachbarn bestand. Die meisten von uns heute waren damals Kinder, manchmal Halbwüchsige, nur wenige erwachsen. Wie so viele meiner Generation habe ich mein Herkunftsland mit elf Jahren verlassen. Ich habe also nur die guten Erinnerungen im Gedächtnis, die Feiern, Familienfeste, Erinnerungen an mir Nahestehende und Freunde und die kindliche erste Liebe: insgesamt gute Erinnerungen.

Wir, die jungen Exilierten, haben noch "rosa Augen", wie mein in Alexandria geborener englischer Freund Alec N. es so schön ausdrückte. Wir sahen damals diese Zeit mit unseren Kinderaugen. Wir waren beschützt, wurden geliebt. Wir lebten zusammen mit der Familie und Freunden. Unsere Kontakte mit den Arabern beschränkten sich auf Klassenkameraden aus Familien wie den unseren, "bné adam" Leute, Kopten oder Mohammedaner, Beziehungen mit den Dienstboten - verbunden durch gegenseitigen Respekt und Zuneigung - und mit den freundlichen Inhabern der kleinen Geschäfte ... die auch unterwürfig waren. Wir hatten nur wenige Kontakte, wenn überhaupt, mit dem gemeinen Volk. Es ist deshalb normal, dass wir nur angenehme Erinnerungen haben und auf diese Weise den Mythos von der friedlichen Koexistenz aufrechterhielten.

Wir Kinder wussten nichts von den Pogromen, die unsere arabisch-islamischen Länder in Trauer versetzten. Wir waren nicht über Ereignisse informiert, wie sie in der jüdischen Zeitung in Ägypten vom 8. Februar 1938 berichtet wurden: "Jeder Mohammedaner, der ein Messer in die Eingeweide eines Juden rennt, sichert sich einen Platz im Paradies." Ich wiederhole das Datum: 8. Februar 1938. Lange vor der Entscheidung, Palästina zu teilen. Vor dem zweiten Weltkrieg. Mehr als zehn Jahre vor der Unabhängigkeit des Staates Israel. Hat sich diese Litanei heute geändert?

Der vergessene Exodus ist ihre Geschichte.

Moïse Rahmani

Der vergessene Exodus "L'Exode oublié", die Juden der arabischen Länder, von Moïse Rahmani, 444 Seiten, 20 Euro. moise.rahmani@sefarad.org

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